© 2018 Kai Boelle.

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Was von Führung übrig bleibt......


...und was digitalisiert werden kann.


Führung wandelt sich. Das ist mehr eine Binsenweisheit, als eine neue Erkenntnis. Doch wie radikal sich Führung wandeln kann, darüber lese ich relativ wenig. Durch Digitalisierung werden sich viele Aufgaben heutiger Führungskräfte anders erledigen lassen.


Wieso es auch so kommen sollte? Weil Führungskräfte in traditionellen Organisationen ein Flaschenhals sind. Führung ist der Ressourcenengpass, dessen Überwindung die Digitalisierung ermöglicht.


Dieses Gedankenspiel möchte ich hier einmal durchgehen:

Was wäre, wenn wir die explizite Führung vollständig streichen?


Vielleicht ist der erste Reflex an dieser Stelle: das geht doch gar nicht! Es braucht doch Führung!

Gut, dann lassen sie uns betrachten, wofür. Exemplarisch möchte ich einige Aufgaben näher beleuchten.

Nehmen wir das Thema Personaleinsatz, Urlaubsplanung, Vertretungen. Tätigkeiten, die oftmals noch von Führungskräften zumindest koordiniert oder am Ende entschieden werden. Doch braucht es das?

Transparente digitale Personaleinsatzpläne, Teamabstimmungen und eindeutige Vertretungsregelungen stellen vielleicht eine höhere Anforderung an die Zusammenarbeit im Team, jedoch sind sie nicht unmöglich und die Führungskraft ist vollständig entbehrlich.

Heutzutage gibt es reichlich Apps, über die Teams sich untereinander abstimmen können, wer wann da ist. Selbst spontane Krankheitsfälle können so durch transparente Übersicht vom Team selbst geregelt werden. Der Wegfall einer entscheidenden Führungskraft mag sogar die Rücksichtnahme im Team erhöhen.

Die Hoheit über Budgets kann ich ebenfalls dem gesamten Team übergeben. Das Zauberwort ist ebenfalls Transparenz durch digitale Möglichkeiten der Einsichtnahme. Wenn alle über das Budget Bescheid wissen und dazu die

Verantwortung für die Nutzung zum Beispiele einem Mehrheitsentscheid übergeben wird, dann werden sich wahrscheinlich auch mehr Teammitglieder Gedanken machen, wie es sinnvoll verwendet werden kann.

Preis-, Kredit- oder ähnliche Kompetenzen können in der Form auf das Team verteilt werden, dass alles, was die Einzelkompetenz übersteigt in Abstimmung mit einem weiteren Kollegen in gemeinsamer Kompetenz entschieden werden kann.

Die Steuerung, das Controlling - ein Lieblingsspielfeld von Führungskräften - ist sehr leicht ersetzbar. Auch hier ist das Zauberwort Transparenz. Diese Aufgabe kann ich vollständig digitalisieren und zum Beispiel allen Mitarbeitenden jeden morgen online zur Verfügung stellen. So hat das ganze Team vollständigen Überblick über die aktuellen Zahlen.

Noch schlimmer wird es, wenn Führungskräfte diejenigen sein sollen bzw. sind, welche die Informationen in das Unternehmen tragen. Dann ist Informations- und Zeitverlust vorprogrammiert. Heute können durch Elektronik alle auf demselben Stand sein.

Ebenso können Meetings im Angesicht der geschilderten Transparenz durch jeden Mitarbeitenden wahrgenommen werden. Am besten durch den, den das Thema auch interessiert und der daher motiviert teilnimmt. Sofern die Informationstransparenz nicht ohnehin viele Meetings vermeidbar macht.

Was also bleibt denn nun? Wozu noch Führungskräfte?

Die Aufgaben einer möglichen Führungskraft liegen meines Erachtens ausschließlich in den Aufgaben, die Empathie verlangen.

Das dies noch einige sind, habe ich zwangsläufig oben aufgezeigt.

Die Gestaltung der Teamdynamik, die Rolle des Moderators bei Unstimmigkeiten und die Funktion als Trainer und Coach. Vor allem das Begleiten in die Eigenverantwortung und Eigeninitiative sind wesentliche Aufgaben.

Dazu braucht es jemanden, der das qualitative Entwicklungsziel im Blick behält, der die Vision treibt, immer wieder in Erinnerung ruft und übersetzt. Eine Person, die für Inspiration und Motivation sorgt.

Sind dies gänzlich neue Aufgaben? Sicher nicht. Doch statt sie bisher irgendwie und meist ungeliebt mitzumachen, sind es vielleicht die einzigen Aufgaben, die Führung zukünftig ausmachen werden.

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